Rassisten

Sind manche

hundeRassen

wirklich

Rassisten?

Die Leiterin der Hundeschule, die ich vor vielen Jahren mit meinem Trio besuchte, war auch Züchterin. Einer der Sprüche, die bei mir hängen geblieben sind, lautete ‚XYZ sind Rassisten!‘. Angeblich entwickelten Hunde dieser Rasse sich immer zu Rassisten, wenn sie nicht von klein auf an Hunde anderer Rassen gewöhnt wurden.

Dieser Spruch verfehlte seine Wirkung nicht. Die Leute – speziell natürlich ihre eigenen Welpeninteressenten sowie andere Halter dieser Rasse – rannten ihr die Bude ein. Schließlich wollte niemand mit einem Rassisten an der Leine durch die Welt laufen.

Ich fand den Spruch damals schon befremdlich, aber wie häufig bei solch eingängigen Parolen ist auch an dieser Behauptung ein Funken Wahrheit. Aber eben nur ein Funken!

Durch die menschlichen Eingriffe in die Vermehrung unserer Haushunde sind speziell in den letzten zwei Jahrhunderten extrem unterschiedliche Rassen entstanden. Sie können äußerst klein, aber auch riesig groß ausfallen, nackig daherkommen oder als Fellmonster, mit runden Köpfen und Glubschaugen oder langen, extrem schmalen Köpfen und Pinzettennasen, mit normalen Ruten oder auch extrem geringelt nach oben gestellten, mit Steh- oder Schlappohren, total bunt oder einfarbig … und auch bei den Augenfarben gibt es die unterschiedlichsten Kombinationen.

Da die Menschen ursprünglich auf bestimmte Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen züchteten, die sie für die dem Hund angedachte Verwendung benötigten, gibt es natürlich auch ‚Eigenbrödler‘ und ‚Partyhunde‘ usw.. Diese Eigenschaften prägen sich im Rahmen der Adoleszenz immer stärker aus … und da kann es dann tatsächlich schwierig werden, wenn der Welpe oder Junghund nicht beizeiten freundlich mit anderen Charakteren und Erscheinungsbildern konfrontiert wurde.

Er sollte – gut angeleitet und verständnisvoll unterstützt – die Erfahrung machen dürfen, dass andere Hund halt anders ticken und das kein Problem sein muss. Das gleiche gilt auch für die Optik. Wie soll ein Langnasenhund sonst die Mimik eines glubschäugigen, schnaufenden Artgenossen lesen lernen … oder ein Hund mit freiem Gesicht einen Wuschelkopf mit tief über die Augen hängendem Fell? 

Das heißt aber beileibe nicht, dass dies unbedingt im ersten halben Jahr geschehen muss. In den ersten zwei Jahren ist noch alles möglich und auch danach lässt sich mit gut strukturiertem Training noch viel machen. Schließlich hört das Lernen auch beim Hund nie auf.

Es bedeutet auch keinesfalls, dass der junge Hund ständig und überall mit allen möglichen Gleichaltrigen rumtoben muss. Was zählt, sind gute, freundliche, ruhige Kontakte. Qualität geht hier unbedingt über Quantität!

Fakt ist: Mir ist bislang noch kein Hund untergekommen, der zum Rassisten mutiert wäre, nur weil er im ersten Lebensjahr keine Artgenossen anderer Rasse kennengelernt hätte. Allerdings bekomme ich regelmäßig Hunde ins Training, die in ihrem ersten Lebensjahr viele unpassende Kontakte mit anderen Hunden hatten und deshalb eine Aversion gegen bestimmte Rassen entwickelt haben.

Schreibe einen Kommentar